Frauen

Datei herunterladen Und beim sprechen habe ich die Hälfte verschluckt – wenn ich Zeit habe, mache ich es noch mal

Eine Hausfrau kämpft gegen den Kaffeesatz:

Nur wenige Frauennamen finden sich in den Patentblättern des Kaiserlichen Patentamtes zu Berlin.

Erfindungen – auch von Haushaltsgeräten – gehörten immer eindeutig zur Domäne des Mannes. Doch im Patentblatt Nr. 28 des 32. Jahrganges der *Bekanntmachung auf Grund des Patentgesetzes* tauchen am 8. Juli 1908 auf Seite 1145 Name und Anschrift einer Frau auf: Melitta Bentz, geb. Liebscher, Dresden, Marschallstraße 31. Die damals 35jährige Hausfrau hatte für einen mit -Filtrirpapier- arbeitenden »Kaffeefilter mit auf der Unterseite gewölbtem Boden sowie mit schräg gerichteten Durchflusslöchern« Gebrauchsmusterschutz erhalten. Es blieb nicht ihre einzige Eintragung – es folgten sehr bald weitere.

Melitta Bentz, am 31. Januar 1873 geboren war verheiratet mit Hugo Bentz. Er war Abteilungsleiter in einem Dresdner Kaufhaus. Zum Zeitpunkt der Erfindung war sie Mutter von zwei Söhnen im Alter von 9 und 1 Jahren und hatte sich schon geraume Zeit mit Kaffee beschäftigt. Es störte sie – wie viele andere Kaffeetrinker damals auch -, dass unbekömmlicher Satz den reinen Kaffeegenuss trübte. Ihr genügte es nicht, die unzulänglichen Filtrierversuche anderer zu kopieren – sie versuchte selbst, bessere Lösungen zu finden.

Bei einem Kaffeekränzchen mit Freundinnen wurde in der Residenzstadt des ohnehin kaffeefreudigen Königreiches Sachsen ihre Erfindung fachkundig »getestet«: Ein Löschblatt aus dem Schulheft des ältesten Sohnes – mit der Schere rund geschnitten – und eine am Boden durchlöcherte Blechdose waren das erste Rundfilterpapier und der erste Filterkörper. Sie fanden beim Dresdner Kaffeekränzchen begeisterten Beifall. Das Ziel war erreicht – der Kaffee frei von Satz.

Ideal war diese Lösung allerdings noch nicht, denn das Löschpapier filtrierte außerordentlich langsam. Deshalb begaben sieh Melitta und Hugo Bentz auf die Suche nach der richtigen Papiersorte, der Filter wurde technisch verbessert und aus Messing zu einem Filter-Apparat zusammengeschweißt: Der Ur-Filter, 13 cm hoch, mit einem Wasserverteiler und einzulegendem Rundfilterpapier war komplett. Am 15. Dezember 1908 wurde die Firma M. Bentz gegründet.

Damit begann langsam, begleitet von vielen Produktverbesserungen, eine Entwicklung, die die Kaffeezubereitung und damit den Kaffeegenuss in Deutschland stark beeinflusste. Sie führte schließlich im Jahre 1936 zur Erfindung der Filtertüte, die heute in vielen Teilen der Welt als Synonym für den Kaffeegenuss gilt.

piri ulbrich

Manchmal glaube ich zu wissen, dass ich zuviel für mich bin. Ich weiß auch, dass ich mich aushalte. Das Leben ist zwar nicht immer wunderbar, aber es wird so gelebt, wie es kommt.

Kommentare (5)

  1. Zwar bin ich keine besondere Freundin von Filtern (ich benutze ein feinmaschiges Sieb). Aber ich finde die Geschichte und die Frau bemerkenswert! Witzig an der Geschichte ist, daß der schöne Name Melitta heute nur noch mit Filtertüten verbunden wird und vermutlich gerade wegen der Erfindung dieser tüchtigen Frau kaum ein Kind so genannt wird.
    Claudia Sperlich hat kürzlich veröffentlicht..Das neue FüllhornMy Profile

    • Eine Helferin von Carsten und Wiebke heißt Melitta – allerdings ist diese Frau sehr esoterisch angehaucht und nicht sehr praktisch – ganz das Gegenteil der patenten Melitta Bentz.

  2. meine mutter hieß META – eine abkürzung von melitta !

    früher habe ich auch kaffefilter-tüten benutzt – heute mit den senseomaschinen geht das wesentlich einfacher *g*.
    vor allem bei meinem kaffeeverbrauch :whistle:

    liebe grüssle jetzt aus zaberfeld :good:
    elvi hat kürzlich veröffentlicht..mal ne neue info….My Profile

  3. Ein interessanter Bericht. Auch bei mir gabs früher natürlich Filtertüten. Seit Senseo und jetzt Tassimo brauche ich die nicht mehr. Diese Maschinchen sind für eine Einzelperson einfach praktischer.
    ute42 hat kürzlich veröffentlicht..Im GartenMy Profile

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