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Perfektionisten haben es verdammt schwer auf der Welt. Wird man dazu erzogen oder woher kommt dieser Zwang?
Alle wollen mir helfen und jeder tut irgendwas. Sie sprechen sich nicht ab; MamS und Mutter! Sie wundern sich bloß, dass ich nicht ständig vor lauter Dankbarkeit zerfließe. Sie meinen es gut und tun Dinge, die nicht nötig sind. Manchmal schaffen sie erst Arbeit, die vorher nicht da war und die sie nicht selber bewerkstelligen können.
Mama kommt mit meinem Herd nicht klar, MamS kann nicht kochen, also stelle ich mich hin. Die Küche räumen sie auf. Wenn ich nächstes Mal mein Sieb suche, gucke ich wohl besser gleich bei den Backblechen nach. –Heute waren wir essen!
Ich habe eine Angewohnheit sämtliche Taschentücher und Servietten einzustecken, auch rote! Carsten hat auf meine Lieblingsjacke erbrochen. In der Außentascke steckte … ihr ahnt es sicherlich. Eine rote Papierserviette!
Mein lieber Mann wäscht das Jäckchen. Es hat nun rote Sprenkel!
Sie meinen es gut, wirklich — doch zuviel Güte ist zuviel für mich.
Vor kurzem habe ich mich beklagt, dass mir niemand hilft. Jetzt wird mir geholfen und ich bin auch nicht zufrieden. Es wird Zeit, dass mein Fuß gesund wird.
Darf man sich selber loben ? Ich denke ja! Wenn es sonst niemand tut.
Zuallererst habe ich mal das unfähige Putzteam entlassen — wenn ich sage gründlich sauber machen, besonders den Teppich, weil Carsten gekotzt hat; dann möchte ich nicht hinterher auf dem Boden kriechen müssen und das Pulver wegbürsten. Wenn dann noch die Kotze am Bett klebt und die Damen schon das Haus verlassen haben, ist das in meinen Augen nicht gründlich, sondern eher schlampig. Auch wenn es verdammt schwer ist, gute Reinigungskräfte zu bekommen, so bin ich nicht gewillt Schludrigkeit zu tolerieren. Es war nicht das erste Mal und auch nicht alles; aber mit den Feinheiten möchte ich euch nicht belästigen. — Trotzdem bin ich stolz, dass ich es selber geschafft habe zu kündigen.
Stolz, bin ich auch darauf, dass ich bis jetzt mit Mutti keinen Streit und noch nicht einmal ein keines Missverständnis hatte. Ich war ganz lieb und habe lieber dreimal geschluckt, ehe ich einen unbedarften Satz gesagt habe. Meine Mama ist zufrieden; was will ich mehr?
Schön ist auch, dass ich mir Lesefutter erkämpft habe. Ich habe meine Mutter genommen, ins Auto gesetzt und bin mit ihr in die Stadt gefahren und habe mir in der Buchhandlung über dem Parkplatz 2 Bücher gekauft, wir haben zusammen Kaffee getrunken und dann war’s gut. Jetzt werde ich gleich schmökern und Mama ändert sich den roten Mantel (den ich ihr geschenkt habe, weil für mich viel zu weit) um und hat was zu tun!
Herz, was willst du mehr?
“Guten Tag, ich möchte gerne diesen Katzenjammer bei Ihnen im Tierheim abgeben.”
Heute hätte ich gerne sämtliche Fettnäpfchen aus dem Weg geräumt. Möchte meine Mutter nicht wieder nach ihrer Achillesferse ‘Hörgerät’ fragen und warum sie es nicht trägt; möchte geduldig die Sätze zweidreimal wiederholen, ohne die Stimme zu erheben und möchte eine liebevolle Tochter sein. Eine, die ihrer Mama die Wünsche abliest, ohne dass diese etwas sagen muss; eine, die sanftmütig ist und die forderungslos nach Tasse und Teller fragt.
Kurzum, ich möchte keinen unterschwelligen Streit und garantiert keine schlechte Stimmung oder Laune.
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Herr schenke mir Geduld, aber ein bisschen plötzlich!
Es ist verdammt schwer, gut gemeinte Hilfe anzunehmen. Hilfe, die so kontraproduktiv ist, wie nur irgendwie möglich. Wenn ich dann für diese Leistung auch noch tausendmal Dankeschön und zusätzlich einen imaginären Kniefall machen muss, nervt mich das. Wenn ich nicht dankbar erscheine sind MamS und meine Mutter sauer. Genau aus diesem Grund hätte ich lieber professionelle Hilfe, eine, der ich genaue Anweisungen geben und die ich gegebenenfalls in den Senkel stellen kann, wenn es nicht so wird wie ich gerne will.
Ich bin also Zuhause! Blumen und Pflanzen sind vertrocknet, die Kinderzimmer stinken, ein eingetrockneter Fleck auf dem Wolltepich im Wohnzimmer und eine überforderte Mutter, die fragt, was sie tun soll. Geschirr will sie abwaschen! Himmel, wir haben eine Spülmaschine! Den Dreck davor sieht sie nicht. Ich bin ungerecht, ich weiß. Aber von wem habe ich diese Korinthenkackerei?
Für morgen habe ich ein Putzteam bestellt. Das kann ich nach Herzenslust herumkommandieren … und jetzt werde ich Kreide fressen gehen.
Herr schenke mir auf der Stelle einen Haufen Geduld!
Gebt mir die Zeit mich zu erholen — ich bin zwar wieder Daheim, aber auch hier läuft lange nicht alles rund.