abonniere

In meiner Küche stand ein Glas

Beachtet die Vergangenheitsform! Nun steht es nicht mehr, es liegt – und zwar in tausend Scherben, auf meinem gerade gefegten und gewischten Küchenfußboden! Jetzt liegt es auch da nicht mehr, denn ich habe Hand und Handfeger angelegt und es ruht sanft im Mülleimer. Man kann sich nicht vorstellen, in wie viele, winzige, sich in alle Ecken und Ritzen verkriechende Splitter sich so ein einfaches, übersichtliches Trinkgefäß zerteilen kann, echt un-vor-stell-bar! Geradezu heimtückisch.

Ich hatte es gerade poliert, es hatte nicht mal mehr einen Hauch von Streifen, vollkommen durchsichtig war es, als es beschloss, sein Leben auszuhauchen. Natürlich nicht sang- und klanglos, nein, mit gehörigem Geklirr fiel es und vermehrte sich auch gleich wieder. Unübersehbar und knirschend bedeckte es die halbe Küche. Was für ein theatralischer Abgang!

Dabei sollte es meinen liebevoll gedeckten Tisch verzieren, einen guten Tropfen in sich tragen, den Kerzenschein widerspiegeln und all solche schönen Aufgaben erfüllen. Wieder und wieder sollte es gefüllt werden, an einem schönen Abend, voller Wein sollte es sein. Es hätte dem Alkohol nicht entfliehen können, das war auch dem Glas klar, wahrscheinlich wollte es aber endgültig trocken bleiben… Es hat daraus eine aufregende Konsequenz gezogen: Es hat der völligen Enthaltsamkeit sein Leben geopfert!

Dass mich das noch zusätzlich aufregt, ist wohl ganz klar, denn das halte ich nun für keine Perspektive und schon gar nicht für eine erstrebenswerte. Das halte ich sogar für ausgemachten Unsinn. Es war einfach nur ein blödes Glas…

7 Kommentare zu “In meiner Küche stand ein Glas”

  1. Eine Hülle ohne Inhalt, mehr war das nicht, Piri!
    Nur der Inhalt zählt! Es lebe die Substanz!

    AntwortenAntworten
  2. Das Glas war nicht blöd, sonst hätte es dich nicht zu solch einem kristallguten Eintrag bewegt…oder hatte in der Zwischenzeit sein Ersatz samt Inhalt zu solch flüssigen Schreibstil verholfen? *g*

    Jedenfalls ein Prost auf den Abend außerhalb der Küche

    AntwortenAntworten
  3. Für die guten Tröpfchen hast Du sicherlich ein würdigeres Gefäß gefunden! :grin:

    AntwortenAntworten
  4. Wundervoll geschrieben – Danke

    S(tef)unnys letzter Beitrag im Blog:

    AntwortenAntworten
  5. Du verstehst es wirklich wunderbar über die vielen kleinen alltäglichen Hopplas zu schreiben, die einen so nerven können. Danke :-) Ich bin sicher Weltmeisterin im Gläser zerdeppern.

    AntwortenAntworten
  6. es gab Zeiten, da habe ich fast täglich ein Glas zertrümmert :mrgreen: Was geht es auch so schnell kaputt?

    Andreas letzter Beitrag im Blog: Laktoseintoleranztest.

    AntwortenAntworten
  7. [...] piri war es ein Glas, was in der Küche zerschelte und bei mir waren es zwei Baby-Glasflaschen, [...]


Schreib einen Kommentar

;) :wub: :wink: :wassat: :w00t: :unsure: :tongue: :smile: :sleeping: :silly: :sick: :shocked: :sad: :rose: :pouty: :pinch: :phone: :ninja: :lol: :ling: :kissing: :idea: :heart: :happy: :getlost: :face: :ermm: :dizzy: :devil: :daumen: :cwy: :cool: :cheerful: :blush: :blink: :biggrin: :arrow: :angry: :angel: :alien: :?: :) :!:
:bye: 
:good: 
:negative: 
:scratch: 
:wacko: 
:yahoo: 
B-) 
:herz: 
:rosen: 
:-) 
:whistle: 
:yes: 
:cry: 
:mail: 
:-( 
:unsure: 
;-) 
:aa: 
:rolli: