Ein Apfel am Tag

Apfel essendIch weiß gar nicht mehr, wie alt ich war, als mein Vater dies Bild geknipst hat – vielleicht acht? – jedenfalls war es noch in der alten Wohnung in einem Haus, in dem drei Generationen gewohnt haben – Großeltern/Großonkel, meine Eltern mit uns (damals fünf Kindern) und mein Onkel mit Frau und drei Töchtern.

Dort waren immer Äpfel, schon deshalb, weil mein Großonkel einen Bauernhof hatte und uns die Äpfel körbeweise in den Keller brachte. Damals wusste ich noch nicht, dass ich auf Äpfel reagiere unter anderem eine Niesattacke bekomme, die nicht von schlechten Eltern war. “Obst ist gesund!”, also musste ich essen – ob ich danach Bauchweh hatte oder nicht, das interessierte nicht! Später habe ich dann nur alte Apfelsorten gegessen, die vertrage ich nämlich.


MamS hat Äpfel geliebt. Für ihn mussten immer welche im Haus sein. Jetzt, da er nicht mehr ist, kann es sogar vorkommen, dass Äpfel bei uns faul werden. Die Junioren können sie nicht kauen und ich mag noch weniger Äpfel, weil sie mich so sehr an den geliebten Mann erinnern.

Seit dem Tod sind genau sechs Monate vergangen und ich weiß es zwar, kann es aber immer noch nicht verstehen…

Gipswechsel der vierte und hoffentlich letzte

Oh je, wenn die öffentlichen Verkehrsmittel streiken, dann sollte man tunlichst Zuhause bleiben. Ging aber nicht. Wiebke sollte einen neuen Gips bekommen – den letzten vor der Orthese!

Wir waren pünktlich. Auf die Minute genau! Genutzt hat es uns nichts, denn gewartet haben wir für die anderen mit.

In der Ambulanz der Orthopädischen Uniklinik Heidelberg braucht man Geduld – viel Geduld, das wussten wir. Carsten und Wiebke sind erprobte ‘Warter’ und sind selten quengelig. Meine Freundin, die mitgekommen war ist auch Schlierbach-erfahren und kennt die langen Wartezeiten. Dass es aber so lange dauern würde – um 9:00 sind wir losgefahren und um kurz nach 16:00 waren wir endlich wieder daheim! – das hatten wir nicht gedacht. Alles nur für Gipswechsel und einmal Fuß röntgen…

Jetzt ist es abzusehen, wann Wiebke endlich wieder baden kann. In drei Wochen!


“Wie geht es dir?” Ich werde es desöfteren gefragt und antworte meistens, dass ich es selber nicht weiß. Eins weiß ich jedoch ganz genau – ich halte mich aus und ich hoffe, andere auch!

Wo is er denn jetz hin?

…der blaue Himmel?

Vogelkönig

Das fragt sich nicht nur mein Vogelkönig, das hat Wiebke mich eben auch gefragt!
“Du Mama, eigentlich sollte doch die Sonne scheinen!”

Himmel

Stattdessen ist es grau, sogar unsere Tibetanischen Gebetsfahnen wollten nicht bunt sein…

Es ist aber lange nicht mehr so kalt und der coole Carsten hat auch schon seine Lederjacke ausgeführt!

Ein neuer Tag mit neuem Mut

Rauf, runter, rauf – zwei Schritte vor und einer zurück, ich komme voran.

Schiet, jetzt hab ich den guten Jogitee auf den schönen wolligen Wohnzimmerteppich gekleckert. Eine neue Farbvariante, zusätzlich zu den Schuhcremeflecken.
Wohnzimmerfleckenteppich

Aber, was ich eigentlich schreiben wollte ist, ich habe den Hilfebedarfsplan besprochen. Zwar muss ich mir selber Helfer besorgen – weiß aber inzwischen auch, wie ich welche bekomme! Nämlich Aushänge in der FH, der Heilerzieherschule, im Blättle, beim Bäcker, Metzger, Gemeindehaus usw. und so fort. Wird noch ne Menge Arbeit sein und ganz schön viel Kraft kosten – aber es wird werden!

Freizeiten/ Wochenendfreizeiten habe ich für die Junioren gebucht – freie Zeiten für mich. Vielleicht wird ja doch noch was draus mit dem Pilgern auf dem Kapellenweg im Schwarzwald?

Carstens Mitaufnahme ins Krankenhaus steht. Aus welchem Topf das finanziert wird, klärt sich sicherlich auch vorher noch.

Morgen feiere ich meinen nichtvorhandenen Geburtstag nach, mit frühstücken gehen und am Nachmittag schwimmen. Das Wochenende ist auch gut geplant. – Tja, es löppt…

Es löppt nicht rund, es eiert, aber Stillstand ist auch nicht. Es sind große Anlaufschwierigkeiten da, manche Menschen lassen mich auch hängen, dann sind aber wieder andre da, auf die kann ich mich verlassen…

Die Sonne ist über den Wolken – okay, irgendwann wird sie eine Lücke finden und für uns alle beginnt endlich der Frühling. Ich wünsche es mir und dir und dir und dir da in der Ecke so sehr.

[*|*]


Eine Stunde später frag ich mich, ob die Junioren heute noch mal aus ihren Zimmern gekrochen kommen. Doch, wahrscheinlich schon! Am Abend ist ein Brass-Konzert und dahin will der Kerle unbedingt! Denn er, dieser kleine Mann, bringt im Gegensatz zu mir, Töne aus dem Kuhlohorn hervor…

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