Tag Archiv: Carsten

Gib mir Musik

Mit Musik geht bei mir alles schneller von der Hand!

Ich darf/muss heute Klamotten für die Junioren einkaufen. Beide haben dazu genauso wenig Lust wie ich und deswegen darf ich alleine. Sie nicken’s dann bloß ab.

Bei ihren speziellen Größen ist das gar nicht so leicht. Carsten braucht Kleinkindergröße mit verlängertem Arm und ohne Babymotive auf der Brust. Wiebke braucht Stretchhosen, aber keine Leggings, denn die sind zu dünn. Unterwäsche zu kaufen ist zum Glück kein großer Akt – aber ‘Pilowa’ (Pullover)!

…und dann hätte ich auch gerne noch ein oder zwei T-Shirt!

Habe ich schon mal erzählt, dass ich ungern shoppen gehe? Wenn mich doch jemand, mit unfehlbarem Geschmack, begleiten könnte – ich wäre sehr glücklich!

Pädagogischer Tag

Die Sonne scheint, aber die Junioren liegen noch in der Falle. Es wird ein Mutter-Kind-Tag mit Cafébesuch und Stadtbummel, wenn die Junioren endlich ihr warmes Bett verlassen, ich sie anziehen kann und sie fit für den kommenden Tag sind. x

Und, ich denke, wir werden auch einen Abstecher ins Gartencenter machen und Primelchen für den grauchen Garten kaufen.

Carsten Definition vom Pädagogischen Tag ist: “An dem Tag bleiben wir Zuhause und die angestellten Mitarbeiter lernen wieder mal was, mit dem sie uns die nächste Woche bespaßen werden!”

 ebene Strecken kann Wiebke gut alleine fahren und ist stolz, wenn sie es auch schafft. Sie ist eine ehrgeizige Rollifahrerin und erntet damit Bewunderung (auch von Carsten)

schwimmen gehen

Mit zwei Rollifahrern und nur einer Behindertenumkleidekabine, in der keine Liege ist, einen FSJler, der sich sehr bemüht, aber leider nicht recht weiß, wo er zupacken soll, ist schwimmen gehen eine Herausforderung. Diese nehme ich gerne an und bewältige sie (meistens) auch ziemlich gut.

Carsten wird halt auf dem Handtuch, das auf dem Fußboden liegt, an- und ausgezogen. Wiebke sitzt dafür auf dem Klo und wir beiden anderen schwitzen und ziehen uns heimlich irgendwo anders um.

Hier in Baden-Württemberg sind Ferien und dementsprechend voll ist das Spaßbad. Ein Witzbold von ca. 15 Jahren wollte Carsten Rollstuhl ins Wasser rollen lassen. Zum Glück hat es eine Mutter mit Kleinkind auf dem Arm gesehen – ich selber wäre höchstwahrscheinlich zu spät aus der drangvollen Badewanne, die sich Solebecken schimpft (meist ist es dort leer, nur heute war es eine Badewanne), also, ich wäre zu spät gekommen, den Rollstuhl zu retten.

Kennt ihr Stehschwimmen? Nein, dann kommt mal in Ferienzeiten, wenn es tagsüber draußen trübe ist, ins Aquatoll nach Neckarsulm, da könnt ihr es leibhaftig kennenlernen. Mit Behinderten anstarren inklusive! Die Junioren wurden beäugt und begutachtet, (nicht nur) Kinder haben getuschelt, aber auch gelächelt und ein Wettschwimmen veranstaltet. Wiebke hat ertrinkende Frau gespielt und Carsten hat einen neuen Rekord im Dauertauchen aufgestellt. Meine Augen waren überall und der Helfer hatte beide Junioren auch immer im Blick, manchmal von unten und manchmal mit beiden auf den Armen.

Die Junioren waren begeistert, der FSJler ist mittelprächtig fix und fertig und ich schlafe gleich auf dem Sofa ein.

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…für meine Gelenke ist das warme Wasser allerdings das reinste Gift!

31 Jahre

 

Ganz anders, als bei Carstens Geburt, war es bei Wiebkes Ankunft. Aber dafür muss ich ein bisschen ausholen!

Die dritte Schwangerschaft – eine zweite war eine Fehlgeburt, bei der sich herausstellte, dass das Kind Trisomie 21 hatte (Downsyndrom) – also die dritte war nach der Vorgeschichte eine Risikoschwangerschaft. Das Kind im Mutterleib nahm nicht zu, das Köpfchen war winzig und auch sonst ging es mir nicht so prickeln. Irgendwann sprach mein Frauenarzt davon, mich stationär zu behandeln, bzw. ruhig zu stellen. Hibbelig und umtriebig, wie ich damals schon war, eine große Herausforderung für mich. Aber, im Namen des Kindes willigte ich ein und kam – entweder kurz vor  oder kurz nach Weihnachten auf die Frauenstation. Weihnachten war ich aber Zuhause, daran erinnere ich mich wirklich!

Ich durfte nicht aufstehen, musste streng liegen, noch nicht mal aufs Klo durfte ich selbstständig – eine harte Prüfung! Mit mir zusammen lag eine andere werdende Mutter, die Söckchen strickend aufrecht im Bett saß und mir ständig erzählen wollte, was sie doch alles durchgemacht hat, um endlich schwanger zu werden. -  “So ertrage sie das Leid und Elend des langen Liegens mit Fassung und Würde!” – Mir ging dies Geschwafel auf den Keks.

Eine Woche habe ich diese Dame mit ihren Vorträgen und gottesfürchtigen Gelabere ausgehalten. Walkman gab es noch nicht, um mir was auf die Ohren zu setzen und beim Lesen hat sie mich dauernd gestört. Irgendwann bin ich einfach raus aus dem Zimmer, hab mich auf den Flur gesetzt, die Beine hochgezogen und gefroren! Die Krankenschwestern, die vorbeikamen, guckten; sagten aber nichts. – Bis auf eine! Eine ältere, erfahrene Schwester sprach mich an: „Was ist los? Warum sitzen Sie hier und sind nicht im Bett?“ Da öffneten sich bei mir sämtliche Schleusen, ich plärrte los. „Da geh ich nicht wieder rein! Die Frau regt mich auf! Ich kann dieses Gewäsch nicht mehr hören! Ihr ewiges Getue, dass es ihr nur so ergeht! …und außerdem mag ich nicht mehr liegen!“ „Dass, mit dem liegen kann ich für Sie nicht ändern. Das muss sein, wenn das Kind noch wachsen soll. Sie sind erst im 7. Monat und das Baby ist noch viel zu unreif, um aus der großen weiten Welt zu bestehen. Aber, dass mit dem Zimmer, da können wir was machen.“, sagte sie und verschwand!

Pu, ja, okay!

Ich bin nie wieder in das besagte Zimmer gegangen, bzw. geschoben worden. Sogar meine persönlichen Sachen haben die Schwestern für mich geholt. Vorerst bekam ich ein Zimmer für mich allein.

So lag ich da. Woche für Woche und betete, dass das kleine Kind wachsen solle, damit es gewappnet war für das Leben.

Wir feierten Carstens Geburtstag im Krankenhaus und eine Freundin witzelte: „Schade, nun ist das auch um; Carsten bekommt kein Geschwisterchen zum Geburtstag geschenkt!“

Am Tag der Geburt meines Töchting, es war Wochenanfang, mir ging es gut, ich hatte was zu lesen und wurde verwöhnt. Nachmittags war eine Arbeitskollegin zu Besuch, wir haben Kuchen gegessen und gequatscht. Sie und MamS gaben sich die Klinke in die Hand. Da überkam mich eine Schmerzwelle. Nein, bitte nicht – es ist doch viel zu früh. Hektik, Panik, Senf an die Decke, Senf wieder runter, noch mehr Unruhe und Anspannung. Nervosität macht sich breit. Ein Arzt wurde gerufen. Zum Glück war es der Arzt meines Vertrauens. Aber was er sagte, beruhigte mich nicht.

„Wir machen einen Notkaiserschnitt, warten aber ab, bis der RTW mit dem Brutkasten aus der Kinderklinik da ist.“, sprach er und verschwand, ziemlich aufgeregt auf den Gang, er nahm MamS mit. „Hilfe, was ist da los! Was soll das bedeuten?“ Eine Wehe kam und ging, die nächste kam und ging – schon ziemlich heftig. Die Krankenschwestern machten mit mir was sie wollten, ich lies es geschehen.

Kurz vor 21:00 Uhr war der RTW da, ich war schon im OP im Land der Träume. Es ging wohl rasend schnell. Um 21:15 Uhr wurde Wiebke in die Welt gehoben und war auch schon bald das erste Mal mit Blaulicht unterwegs in eine Kinderklinik.

Bei der Geburt dabei war die alte Hebamme, die schon MamS auf die Welt bugsierte. Beide hatten sich einige zu erzählen und verwechselten so prompt den Namen des neugeborenen Kindes…

…aber das ist eine andere Geschichte.

© 2012 piri ulbrich | 440 Tage Kuddelmuddel voller worte Mit schon 797 Beiträgen. | Manchmal mischt sich hier Fiktion mit Wirklichkeit.