abonniere

Posts Tagged ‘Gedicht’

Es ist ein Flüstern in der Nacht,
Es hat mich ganz um den Schlaf gebracht;
Ich fühl’s, es will sich was verkünden
Und kann den Weg nicht zu mir finden.

Sind’s Liebesworte, vertrauet dem Wind,
Die unterwegs verwehet sind?
Oder ist’s Unheil aus künftigen Tagen,
Da emsig drängt sich anzusagen?

Theodor Storm

Ich sah des Sommers letzte Rose stehn,
Sie war, als ob sie bluten könne, rot;
Da sprach ich schaudernd im Vorübergehn:
So weit im Leben ist zu nah am Tod!

Es regte sich kein Hauch am heißen Tag,
Nur leise strich ein weißer Schmetterling;
Doch ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag
Bewegte, sie empfand es und verging.

Christian Friedrich Hebbel

In den Dünen sitzen. Nichts sehen als Sonne. Nichts fühlen als Wärme. Nichts hören als Brandung. Zwischen zwei Herzschlägen glauben: nun ist Frieden.
Günter Kunert

Oder:

Der Traum des Tschuangtse

Ihm träumte einst, er wär ein Schmetterling,
Der flatternd durch den blauen Äther ging,
Berauscht von Duft und Morgenluft und Sonne.
Das Leben war die reinste Falterwonne!

Es fiel ihm nicht einmal im Traume ein,
Er könnte jemals jemand anders sein.

Als er jedoch in seinem Bett erwachte,
War er durchaus kein Schmetterling und dachte:
Ich wüßte gar zu gern, wie sich das reimt!
- Wie, wenn von dem “Erwachen” ich erwachte?

Dann lächelte er leise vor sich hin:
Wie weiß ich nun, ob ich der Tschuangtse bin
Oder nur “Tschuangtse”, den der Falter träumt …?

Mascha Kaléko

Da oben die Fensterputzer werkeln, habe ich mich in den, nicht mehr so kühlen, Keller zurückgezogen und räume mein Zimmer auf.
Es hat sich eine Menge Zeugs auf dem Schreib-Und Arbeitstisch angesammelt. Die Nähmaschine steht neben dem Schneidebrett, der Kopfhörer liegt auf dem Gedichtband und die ungehörte CD liegt ausgepackt zwischen Krümeln. Es wird Zeit, dass ich Ordnung schaffe. — Ich träume! Träume von Regenbogen, unter dem Kinder einen Reigen tanzen.
Gestern habe ich erfahren müssen, dass der neugeborene Sohn eines sehr netten Betreuers im FuB verstorben ist. Warum weiß ich nicht! Ich habe nur gehört, dass das Kind einen Herzfehler haben sollte und dass dieser im Mutterleib operiert worden war. Leider vergebens. Es macht mich sehr nachdenklich. Ich werde an mein Kind erinnert, das ich nicht gebären konnte; das ich abgetrieben habe, weil es nachweislich das Downsyndrom hatte und wir uns nicht in der Lage fühlten ein zweites behindertes Kind zu bekommen. Dann kam Wiebke und wir haben es geschafft — wir schaffen es immer noch und sind froh, dass wir nicht wusste, dass Wiebke auch behindert ist.

Ich träume auch von einer Reise. Wir wollen, wenn die Junioren zur Freizeit in der Schweiz sind, durch Deutschland reisen, von einem Museum zum nächsten. Es gibt so viel interessantes zu sehen. Ich möchte mir Miró in Baden-Baden angucken; möchte die Schuhausstellung in Mainz sehen. Will ins Städelmuseum und zu Picasso nach Berlin. Alles werden wir nicht schaffen — aber träumen darf man doch, oder!

Gott erhalte mir meine Träume und erfülle sie bitte nicht alle!

Mein Akzeptierungsgebet

Ich akzeptiere mich vollkommen.
Ich akzeptiere meine Stärken und meine Schwächen,
meine Qualitäten und meine Unzulänglichkeiten,
meine guten Seiten und meine Fehler.
Ich akzeptiere mich vollkommen als menschliches Wesen.

Ich akzeptiere, dass ich hier bin um zu lernen und zu wachsen,
und ich akzeptiere, dass ich lerne und wachse.
Ich akzeptiere die Persönlichkeit die ich entwickelt habe,
und ich akzeptiere die Stärke zu heilen und zu ändern.
Ich akzeptiere mich ohne Bedingung oder Vorbehalt.
Ich akzeptiere, dass der Kern meines Wesens Güte ist,
dass mein Wesen Liebe ist, und ich akzeptiere
dass ich das manchmal vergesse.
Ich akzeptiere mich vollkommen und in dieser Akzeptierung
finde ich eine sich vertiefende innere Stärke.
Aus dieser Stärke heraus akzeptiere ich mein Leben vollkommen
und ich bin offen für die Lektionen die es mir heute anbietet.

Ich akzeptiere, dass in meinem Geist sowohl Angst als auch Liebe ist
und ich akzeptiere, dass es in meiner Macht ist zu wählen,
was ich als wirklich empfinden will.
Ich sehe ein, dass ich nur die Ergebnisse meiner eigenen Wahl
erfahre.
Ich akzeptiere die Zeiten, in welchen ich Angst wähle
als einen Teil meines Lernen und Heilungsprozesses,
uch ich akzeptiere, dass ich das Potential und die Macht habe
mich injedem Moment für Liebe zu entscheiden.
Ich akzeptiere Fehler als ein Teil meines Wachstums,
und somit bin ich willig mir selber zu vergeben,
und ich gebe mir eine neue Möglichkeit.

Ich akzeptiere, dass mein Leben der Ausdruck meiner Gedanken ist,
und ich verpflichte mich, meine Gedanken jeden Tag mehr und mehr
mit dem Gedanken der Liebe in Übereinstimmung zu bringen.
Ich akzeptiere, dass ich ein Ausdruck dieser Liebe bin.
Der Liebe Hand, Stimme und Herz auf Erden.
Ich akzeptiere mein Leben als Segen und als Geschenk.
Mein Herz ist offen zu empfangen und ich bin zutiefst dankbar.
Lass mich die Geschenke die ich erhalte immer teilen,
vollkommen, frei und mit Freude.
Amen.

mit seinen riesenpranken tastete er
unter bedrohlichen klopfgeraeuschen
den sechzehner ab: als torwart muszt
du dir respekt verschaffen, ansonsten

vergisz es, war das erste kapitel seiner
autobiografie ueberschrieben – & auch
das letzte. als deutschlands besten
faustkaempfer nach max schmeling

bezeichneten ihn seine goenner, die
ihm ueber all die jahre immer wieder
brandneue baelle zukommen lieszen
sobald er die alten plattgemacht hatte

kein geringes stuermeraufkommen
hatte er ins krankenhaus verfrachtet
in dem sie ihm nach karriereende eine
gute stelle im aufwachraum anboten

stan lafleur

Manche –
das heißt nicht alle.
Nicht einmal die Mehrheit, sondern die Minderheit.
Abgesehen von den Schulen, wo man mögen muß,
und den Dichtern selbst,
gibt’s davon etwa zwei pro Tausend.

Mögen –
aber man mag ja auch Nudelsuppe,
mag Komplimente und die Farbe Blau,
mag den alten Schal,
mag auf dem Seinen beharren,
mag Hunde streicheln.

Poesie –
was aber ist Poesie.
Manch wackelige Antwort
ist dieser Frage bereits gefolgt.
Aber ich weiß nicht, ich weiß nicht. Ich halte mich daran fest, wie an einem rettenden Geländer.

Wislawa Szymborska Aus dem Polnischen von Karl Dedecius.

Vorsicht
Nachsicht
Hinsicht
Wegsicht
Übersicht
Absicht
Aussicht
Ansicht
Fernsicht
Umsicht

oder wäre es gut, mal zu gucken ?