Jetzt ahne ich erst, wie Carsten und Wiebke sich fühlen müssen, für alles oder jeden Handschlag um Hilfe zu bitten. Es ist nicht schön!
Ich, die macht, bevor sie fragt, muss fragen; um Hilfe bitten und Geduld haben, wenn es nicht sofort klappt oder geht! Ich, die so so ungeduldig bin, muss langsam machen und Fünfe grade sein lassen. Jeden Schritt muss ich mir überlegen — noch — denn bald bin ich wieder fitt — oder? Mein Fuß schmerzt nur noch ein ganz klein wenig (wenn ich ihn still halte und nicht unnötig bewege). Ich will aber, will aber in Bewegung sein, will fitt werden, will auf beide Beine kommen und wieder laufen, nicht nur hüpfen können.
Es ist ja nicht weiter schlimm, bald habe ich eine Sprungelenksorthese, die mir den Gips abnimmt und die ich gegebenensfalls auch in den Kühlschrank stecken kann, bevor ich sie anschnalle. Unterm Gips ist es ganz schön warm, es juckt, es kribbelt und wenn ich nicht langsam wieder den Flunk hochlege, dann wird der Fuß doppelt so dick, wie normal und das gefällt mir noch weniger. Kann ich so die Enkelfreizeit kicken, damit bin ich keine Hilfe, eher ein zusätzliches Handicap. Drückt mir also die Daumen, dass ich bis Mittwochabend Auto fahren und gut humpeln kann.
Heute sieht es noch ganz anders aus. 10kg darf ich belasten; 10kg wiegt aber ungefähr mein Bein — ergo, darf ich kein Gewicht aufnehmen und darf nicht drauf stehen. Wie soll man da das bisschen Haushalt schaffen? Hier sieht es nämlich aus, wie bei Hempels unterm Sofa. Nur, dass kein Sofa drüber steht und die Staubflusen, Krümel, Erdkrümchen und der allgemeine Dreck ganz offensichtlich eine Party feiern, ohne mich eingeladen zu haben. MamS hat heute Geburtstag, da will ich doch wenigstens, wenn ich schon kein Geschenk habe, die Bude ein bisschen auf Fordermann bringen. Hab’ ja den ganzen Tag Zeit! Das muss doch zu schaffen sein!
Mich nervt’s, wenn ich um jede Gefälligkeit bitten muss und wenn dann noch …
(das würde einen geschützen Beitrag geben).Ich mag nicht gerne abhängig sein, will selbstständig machen, will selber sein. Mensch, Behinderte, die auf ständige Hilfe angewiesen sind, verdienen meinen größten Respekt. Ich ziehe meinen hut vor ihnen und ergebe mich nicht in mein Schicksal. Nein, das tue ich nicht, sondern stürze mich ins Wagnis Haushalt bewerkstelligen mit Handicap. Es wird bestimmt nicht perfekt, aber mir kann keiner nachreden, dass ich es nicht wenigstens versucht habe!
Ich wünsche euch allen Mut und einen schönen Wochenstart!
Ich sitze immer noch am falschen PC und kann so nicht auf meinen Feedreader zugreifen. Entschuldig bitte, wenn ich kaum bei euch kommentiere — nicht dass ihr denkt, ihr interessiert mich nicht, aber im Moment bin ich anderweitig schwer beschäftigt!