Warum
Warum arbeitest du umsonst im Weltladen? Das hat mich gestern eine Kundin gefragt. Ja, warum? Meine Antwort hat sie verblüfft: Weil ich unter Menschen kommen möchte, weil ich sonst so ganz allein bin.
Ich bin, im Grunde meines Herzen, ein sehr schüchternes Wesen; eins, dass aber gerne unter Menschen ist. Aber auch eins, dass Rückzugsmöglichkeiten braucht und überhaupt kein Halligalli haben kann. Ich flachse gerne und liebe versteckten Humor — ja, manchmal muss man den bei mir suchen! Ich schließe sehr schwer Freundschaften und bin bestimmt nicht zugänglich. Umso mehr freut es mich, das ich im Weltladenteam eine Freundin gefunden habe, die ähnlich wie ich es bin, tickt. Sie ist sehr spröde und hat so manchen Schicksalsschlag einstecken müssen. Ihren Humor hat sie deswegen nicht verloren. Zynismus liegt ihr fern und sie ist ehrlich, offen, geraderaus und sagt was sie denkt, auch wenn es nicht ins Weltbild der Zuhörer passt. Ich fühle mich mit ihr zusammen immer gut, ob wir nun über Schuhe oder Kaffeepreise reden oder über Quinoa oder die überbordende Bürokratie in manchen Institutionen.
Dieser Weltladen ist meine Rettung aus der Einsamkeit! Wenn ich nach dem Dienst abgekämpft nach Hause komme, nehme ich mir zwar immer wieder vor die Einsätze zu reduzieren, aber schon am nächsten Tag freue ich mich auf den nächsten Ladentag. Ich mache es gerne und darum arbeite ich dort umsonst mit — für Gottes Lohn und ein Dankeschön!


Mittwoch, 6. Juli 2011 3:40 
"Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf." Aus Gut gegen Nordwind - Daniel Glattauer 

