Der Kerle macht es einem verdammt leicht, ihn zu lieben. Carsten ist charmant, meistens gut gelaunt und kann sich für die verrücktesten Dinge begeistern. Auf der Hängebrücke zum Beispiel: Ein bisschen Wind, ordentlich Höhe – und der kleine Mann ist glücklich. „Diese Unendlichkeit der Wälder!“ Andere bekommen Höhenangst, Carsten bekommt Naturlyrik.
Ich stecke voller Liebe, wenn ich ihn in bestimmten Situationen beobachte. Doch manchmal kommen mir die Tränen. Zum Beispiel, wenn er sein Glas sucht, das direkt vor ihm auf dem Tisch steht. Oder wenn er auf seinem Teller verzweifelt nach dem Essen sucht, das für alle anderen eindeutig zu sehen ist. Das tut weh. Ich weine oft heimlich.
Hinter all dem steckt ein Kerle, der unglaublich tapfer ist. Carsten lässt sich von seinem schlechten Sehen nicht ausbremsen. Er kompensiert, was er nicht sehen kann, er hört gut zu, nimmt Stimmungen wahr und bekommt mehr mit, als man denkt.
Er redet viel. Carsten kann reden – und meistens weiß er dabei auch noch erstaunlich gut Bescheid. Er verblüfft mit seinem Wissen, erzählt, erklärt, philosophiert. ich liebe ihn, diesen charmanten, wissbegierigen, begeisterungsfähigen Kerle, der auf einer Hängebrücke die Unendlichkeit der Wälder entdeckt, während er eine Viertelstunde später sein Glas auf dem Tisch nicht findet.
Carsten eben.