Mittwoch

Ich hatte tatsächlich noch nie Mittwoch als Titel! Geschlafen habe ich wie ein Stein. Zwar bin ich immer wieder aufgewacht, aber in den Juniorenzimmern war es ruhig. Die beste Art zu genesen ist doch der Schlaf.

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Wieder einmal sitze ich in Gedanken versunken vor dem Bildschirm. Meine Finger tippen wie wild, ich möchte einen Blogbeitrag schreiben.  Dann halte ich inne, lösche das Geschriebene wieder, denke, revidiere, tippe wieder und lösche erneut. Ich habe keine Lust schon wieder Mitleid zu bekommen, wo ich doch nur unseren Alltag erzählen will.  

Seit einiger Zeit stelle ich immer öfter bei mir fest, dass es mir schwerer fällt, die richtigen Worte zu finden. Wir sind nicht bemitleidenswert, wir haben es – als behinderte Familie – nur eben manchmal anders schwer als ihr. Wir sind alle anders, niemand gleicht dem anderen, und Probleme gibt es doch nicht nur bei mir. Meine Schwierigkeiten können für euch riesig aussehen, deswegen sind eure Nöte nicht minder groß. Braucht ihr deswegen Bedauern?

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Es regnet. Der Himmel ist grau. Außer dass ich immer noch dampflokartig schnaufe, tut mir nichts weh – atemlos in den Tag!

Radikal

Ich kann bloggen und meine Junioren versorgen. Doch nebenbei kann es mir trotzdem beschissen gehen. Eine Dampflok schnauft regelmäßiger als ich. Es ist eine Mammutaufgabe, das Töchting aufs Klo zu setzen – sie muss mithelfen! Sie tut es und lacht dabei. Die volle Tragweite hat sie nicht überblickt, kann sie nicht überblicken. Aber sie hilft. Ich habe Wiebke anziehen können; sie sitzt auf ihrem Rollstuhl und hat die von meiner Freundin gekochte Hühnersuppe gegessen.  

Leider konnte die Freundin nur die Suppe vorbeibringen und nicht dableiben. Sie arbeitet im Hospizdienst und kann es sich nicht erlauben, ihre Gäste anzustecken. Ich bin ihr sehr dankbar. Ob ich es ihr gezeigt habe, weiß ich nicht wirklich – viel zu schlapp bin ich, und es schlaucht mich sogar zu atmen. Meinem Töchting geht es besser; sie ist nur ein bisschen durchsichtig blass.  

Der Kerle macht es anders: Er liegt im Bett und gesundet. Er trinkt etwas, isst etwas, spielt, hört Musik, fährt mit seinem Formel-3-Wagen wild durch die Gegend und ist hin und wieder auf der Rennstrecke! Ihn zu versorgen fällt mir leichter, weil der Kerle viel weniger wiegt als seine Schwester.  

Den Junioren fehlt es an nichts, und sie dürfen sogar Donnerstag wieder in die Werkstatt.  

Mir ist übel. Kopfweh, Stirn- und alle anderen Höhlen sind dicht und voll beschattet. Wackelbeine. Kennt ihr die Figuren mit den Gummibändern? So fühle ich mich. Lummelig! Aber ich schaffe es, weil es sein muss. Schön ist, dass mich die Junioren nicht so oft rufen und mich sogar ein Stündchen haben schlafen lassen. Meine Stirn ist kalt, ich friere wie das Ulmer Schneiderlein. Ich schwitze – und ich huste mir die Seele aus dem Leib!

Guten Morgen! Oder ist es keiner? Wir sind alle krank, und ich könnte dringend Hilfe gebrauchen, und niemand kann oder will. Es ist zum kotzen! Wenn sie was von mir brauchen, sind sie alle da …

Sorry, aber ich musste mich kurz austoben.

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